Wie Veränderung gelingt: Vom Gedankenkarussell zu Ruhe und Präsenz

Sarah führt ein internationales Team und begleitet große Restrukturierungsprozesse in einem globalen Unternehmen. Sie hat unsere Weiterbildung „Psychologie der Veränderung“ absolviert. Wir haben sie gefragt, was sich verändert hat – ganz konkret, im Alltag.

Mein Spartenpräsident sagte mir irgendwann im Jahresgespräch:

„Wir merken das. Die Qualität deiner Meetings hat sich verändert.“

Er meinte: Ich sei viel präsenter. Viel fokussierter und ruhiger. Ich höre erst einmal wirklich zu. Und bin gleichzeitig trotzdem noch klar und direkt.

Das war wahrscheinlich eines der wichtigsten Komplimente überhaupt.

Was sich verändert hat

Früher bin ich oft von einem Meeting direkt ins nächste gerannt – inklusive aller Emotionen, Spannungen und Gereiztheiten aus dem vorherigen Gespräch.

Heute mache ich das bewusst anders.

Ich plane inzwischen immer Pufferzeiten ein. Und wenn ich merke, dass ich diese Zeit brauche, verschiebe ich lieber einen Termin.

Das klingt simpel. Aber dahinter steckt eine tiefere Veränderung.

Ich hatte früher einen ziemlichen „Mutter-Theresa-Komplex“. Ich wollte immer für alle da sein. Immer helfen. Immer mitdenken. Immer verfügbar.

Früher lag ich auf der Terrasse in der Sonne – und äußerlich sah alles entspannt aus. Aber innerlich lief mein Gedankenkarussell: „Du musst Susanne noch erinnern.“ „Richard braucht noch etwas.“ „Nächste Woche steht noch dies und das an.“

Ich war körperlich da – aber innerlich nie wirklich ruhig.

Heute liege ich in der Sonne. Punkt.

Wie das passiert ist

Ich habe mich das erste Mal in meinem Leben wirklich angefangen, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Mich besser zu verstehen. Hinzuhören. Meine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen.

Die 18-monatige Reise – die vielen Coaching-Sessions, egal ob als Coachee, Coach oder Beobachterin – hat immer wieder etwas in mir arbeiten lassen. Was ich vorher in eine Schublade geschoben hätte, habe ich bewusst geschehen lassen. Weil ich gemerkt habe: Es tut mir gut. Und es war längst überfällig.

Die entscheidende Erkenntnis war: Ich bin wichtig. Und wenn ich gut für mich sorge, kann ich meiner Umwelt eine noch bessere Version von mir anbieten.

Eine bewusste Entscheidung

Gegen Ende der Ausbildung wurde mir das an einem konkreten Moment klar.

Ich war geschäftlich im Ausland und hatte eine Rede bei einer Feier im Freundeskreis zugesagt. Ich hätte mir zwei Beine ausreißen müssen, um alles unter einen Hut zu bekommen. Ich wusste: Ich komme gestresst und übermüdet an, werde nicht wirklich präsent sein – und direkt danach wartet schon die nächste intensive Woche.

Also habe ich die Rede als Video aufgenommen und mit einem langen persönlichen Text geschickt.

Ich habe eine Stunde überlegt, ob es wirklich das Richtige ist.

Als ich auf Senden drückte, fiel eine unglaubliche Last von meinen Schultern.

Die Antwort meines Freundes gab mir den Rest: „Endlich denkst du mal an dich. Ich hätte dich gerne hier vor Ort – aber ich hätte gerne 100% Sarah und nicht 50%. Dein Video ist 100%, und dafür danke ich dir.“

Früher hätte ich das als Versagen gesehen. Heute sehe ich es als Reife.

Ruhe ist keine Schwäche. Ruhe verändert Qualität.

Wann warst du das letzte Mal wirklich nur dort, wo du gerade warst?

Foto: Johannes Männer in Seeon 2024 (https://www.linkedin.com/in/johannes-maenner-agile/)

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